Der Slam ist flüchtig


Sie liebt einen klaren Stil und Konfetti, hat über Bertold Brecht ihre Magisterarbeit geschrieben, ist nach eigenen Angaben sehr harmoniebedürftig und immer mal wieder taucht sie auf Lesebühnen und Slams zwischen Ilm und Elbe auf. Sarah Teicher über den Slam und die Szene.

 

 

Wann hattest du dein erstes Mal?

Sarah: Oh, ich glaube das war 2011.

 

Gibt es einen, der dein Herz im Sturm erobert hat?

Sarah: Ja, den gibt es. Das war der Bas. Bas Böttcher. Im Theaterhaus Jena. Ich habe ihn gesehen und gedacht: Wow. Ein riesen Held. Er macht klar, was man alles mit Sprache machen kann.

 

Wie lange hat es gedauert, bis du selbst auf die Bühne warst?

Sarah: Länger. Ziemlich lange sogar. Weil ich nur selbst auftrete, wenn ich zu hundert Prozent hinter dem Text und der Performance stehe.

 

Was sollte man als Anfänger noch beachten? Oder sogar als Profi?

Sarah: Man sollte zu vielen Slams gehen, ganz einfach. Man sollte schauen: Wer tritt auf? Um welche Themen geht es? Welche Arten von Slam Poetry gibt es? Will ich das auch?

Mir hat es damals richtig in den Fingern gejuckt. Aber das erste Mal auf die Bühne zu gehen, ist sehr schwer.

 

Wie kommt man an Auftritte?

Sarah: Man kommt ganz schnell mit anderen Teilnehmer ins Gespräch. Man sagt denen, dass man selbst Lust drauf hat. Dann wird man meistens schon gleich eingeladen. Hier in Leipzig gibt es zum Beispiel eine supernette Szene, wo man sofort aufgenommen wird, ohne großes Gerede. Man sollte sich aber nirgends reindrängeln oder reindrängeln lassen.

 

Bist du jetzt im Slam zuhause?

Sarah: Einmal im Monat gern. Einfach, um mich über Texte auszutauschen und Text auszuprobieren. Aber lieber bin ich Gast auf Lesebühnen. Das Konkurrenzding beim Slam ist nicht meins. Auch könnte ich nicht die ganze Woche unterwegs sein, nur um dann sieben Minuten auf der Bühne zu stehen. Manche fahren von Slam zu Slam und es ist dann ein Weltuntergang, wenn sie mal nicht gewinnen.

 

Obwohl alle immer betonen, dass es ihnen ja „überhaupt nicht ums Gewinnen geht“ …!

Sarah: Eben. Eigentlich soll jeder einzelne Slam eine aufregende und tolle Erfahrung sein.

 

Und wie wird er das?

Sarah: Bei einem angenehmen Slam ist immer die Mischung wichtig. Das Publikum muss sich gut unterhalten fühlen. Und da kommt es ebenso auf eine poetische Wortwahl an, als auch auf Rhythmus und Performance. Form und Inhalt müssen inspirieren, berühren, Menschen zum Lachen und zum Heulen bringen können. Wenn aus Sprache ein Gesamtkonzept wird, dann bleibt der Abend in Erinnerung.

 

Ansonsten bleibt der Autor lieber auf Lesebühnen?

Sarah: Ja, dort lebt man länger. Der Slam ist ein flüchtig, ein schnell vergänglicher Ruhm. Man sollte nicht sein Leben davon abhängig machen.

 

Bild: Kerstin Klare