Mord auf der Tagesordnung


Sie hat einen an der Kokosnuss, sagen die einen. Die anderen reden schon von der deutschen Agatha Christie. Und es lassen sich wirklich Ähnlichkeiten zwischen Miss Marple und einigen ihrer Figuren finden. Denn wenn die Krimiautorin Katharina Schendel eines sein will, dann nicht öde. Erst recht nicht albern. Gern verrät sie Rezepte aus ihrer Krimiküche und wie man überhaupt ein Buch schreibt.

 

Dein letzter Roman „Die Dunkelgräfin und die Kokosnuss“ erregt viel Aufmerksamkeit. Es geht um eine Legende in Hildburghausen und den Tumult, der medial veranstaltet wurde. Kommst du damit klar?

 

Katharina:

Ganz gut sogar. Ich bin mit allem, was Marketing angeht, aber von Anfang an auf dem Boden geblieben. Zunächst wollte ich ja gar nicht veröffentlichen, nur für mich schreiben.

 

Ach.

 

Katharina:

Ich wurde damals quasi von der Familie gedrängt, mein erstes Manuskript beim Thüringer Krimipreis einzureichen. Ich selbst hätte mich nie getraut. Dass das dann ein Erfolg wurde, war natürlich aufregend. Als ich dann das erste Mal öffentlich gelesen habe, keine Frage, war ich sehr nervös.

 

Ein tolles Facebook-Profil macht noch keinen guten Autor!

 

Aber du würdest dich nicht für die ganze Welt ausziehen?

 

Katharina:

Natürlich nicht. Neulich war ein Fernsehteam da und ich gewöhne mich nur schwer an den Wirbel. Man kommt ja kaum noch zum Schreiben … Zum Glück macht mein Verlag zwar die Pressetermine, drängelt mich aber nicht.

 

Aber gutes Marketing braucht man doch auch als erfolgreiche Autorin …

 

Katharina:

Auch. Ja. Aber nicht ausschließlich. Man braucht zuerst einmal eine gute Schreibe. Ein tolles Facebook-Profil, was tausende Leute mögen, reicht nicht, um ein gutes Buch zu schreiben.

 

Darüber sollten sich Nachwuchsautoren klar sein …?

 

Katharina:

Darüber, dass man zunächst entscheiden sollte: Will ich auf Teufel komm raus berühmt werden, oder will ich schreiben. Das sind zwei Paar Schuhe.

 

Was ist noch zu beachten?

 

Katharina:

Als Autorin sollte man lesen, so viel wie rein geht. Alles, von vorn bis hinten, was einem vor die Füße fällt, auch Sachen, die nicht interessant erscheinen. Zweitens sollte man das Schreiben üben – und zwar jeden Tag und ohne die Prämisse, unbedingt zu veröffentlichen. Dieser Prozess kann sich über Jahre hinziehen. Außerdem sollte man viel reisen und sich bilden, alles in sich aufsaugen, Zeitungen lesen, ins Theater gehen, eine eigene Meinung bilden. Und es ist ganz wichtig, Spaß am Leben zu haben. Das alles hängt zusammen, die eine Voraussetzung kann ohne die andere nicht existieren. Der Rest ergibt sich: Zuerst schreibt man für sich. Irgendwann liest es jemand, der nicht mit einem verwandt ist, dann wird man erkennen, ob etwas dabei herauskommt.

 

Für die Familie würde ich das Schreiben jederzeit aufgeben!

 

Wie sieht dein Schreibprozess aus?

 

Katharina:

Zuerst entwickele ich eine Idee, drehe und wende die hin und her, dann schreibe ich sie auf. Daraus mache ich dann einen Plot. Und daraus spinne ich mir dann ein Exposee. In diesem wird die Geschichte dann bevölkert. Wer sind die Ermordeten? Wer ist der Mörder? Wer der Ermittler? Die Charaktere sollten möglichst gegensätzlich sein, denn nur aus der Gegensätzlichkeit entstehen Konflikte und diese sind lebenswichtig. Anschließend schreibe ich alles noch einmal unterteilt in ein so genanntes Szenenbuch. Dann geht es los und ich formuliere Kapitel für Kapitel aus.

 

Und das dauert …

 

Katharina:

Dazu braucht man Fleiß und Ausdauer. Ich selbst schreibe eine Seite am Tag, mal mehr, mal weniger. Für 200 Seiten Roman brauche ich, inklusive Lektorat, um die zwei Jahre.

 

Muss man da im Privaten zurückstecken?

 

Katharina:

Nein. Zumindest für mich ist Schreiben ein Hobby und muss nicht zwingend zum Beruf werden. Außerdem brauche ich meine Familie. Dafür würde ich das Schreiben jederzeit aufgeben.

 

Und wie kommt man dazu, Krimis zu schreiben, Leute umzulegen?

 

Katharina:

Inspiration findet man in Filmen, die man gesehen, oder in Büchern. Das Hirn produziert dann automatisch Bilder, die man literarisch verarbeitet. Außerdem schreibt das Leben doch die groteskesten Geschichten. Wie die Nachricht neulich, dass jemand eine Leiche per Post verschickt hat …

 

Deine Charaktere haben keinen Bezug zu lebenden Personen, oder?

 

Katharina:

Natürlich nicht. Aber ich mag Menschen mit Ecken und Macken. Ich habe auch Macken.

 

Und du hast immer einen Bezug zu Thüringen, zur ländlichen Seite?

 

Katharina:

Logisch, dass ich Thüringen-Krimis schreibe. Dadurch kann ich viel von meiner Heimat zeigen. Besonders des Gegensatz von Idylleund Verbrechen finde ich sehr interessant. Ein Schuss Humor darf auch nicht fehlen. Negative Stimmung sollte nicht verbreitet und am Ende auch immer alles aufgelöst werden. Es ist Literatur, die unterhalten soll.

 

Interview: Ronny Ritze

Bild: Jürgen Ritze

 

Von Katharina Schendel erschienen bei emons Verlag:

Die Dunkelgräfin und die Kokosnuss, ISBN 978-3-95451-379-6

Mordskäfer, ISBN 978-3-95451-298-0

Tod an der Gera, ISBN 978-3-95451-108-2