Vom Meisterdieb zum Meistergrafiker

Arno Funke, Grafiker beim Eulenspiegel
Arno Funke, Grafiker beim Eulenspiegel

Der Berliner Künstler Arno Funke, auch bekannt unter dem Namen Dagobert, präsentiert in Thüringen seine Karikaturen. Arno Funke macht satirische Cover, bastelt noch immer gern und raucht, wenn er aufgeregt ist. Der dreiste Kaufhauserpresser über seine Karikaturen und Polizisten.

 

Ritze:

Eine Frage, die Ihnen bestimmt noch nicht gestellt wurde: Wie war’s im Gefängnis? 

 

Funke:
Interessant. Ich war da ja zu einer Zeit, in der viele Persönlichkeiten der untergegangenen DDR einsaßen. Und da kam man leicht ins Gespräch, mit dem Polizeioberst von Ost-Berlin zum Beispiel. Und auch mit anderen Polizisten. Meistens beim Hofgang. Und jeder erzählte so die Geschichten, aus seinem Leben, aus seiner Arbeit. Also die aus ihrer Arbeit, ich aus meiner. Man tauschte sich aus.

 

Ritze:
Sie saßen also mit der DDR-Prominenz?

 

Funke:
Mit einigen höhergestellten Persönlichkeiten. Egon Krenz stieß später zu uns. Mielke sah man ab und an, er war da aber kaum noch ansprechbar.

 

Ritze:
Waren diese Begegnungen förderlich für Ihre Politsatiren?

 

Funke:
Es ist besser Bilder zu malen, die die Menschen mögen. Wenn man denn welche verkaufen will.

 

Ritze:
Was braucht man noch als Karikaturist?

 

Funke:
Um davon Leben zu können? Man sollte das Talent haben, Figuren nicht nur zu zeichnen, sondern zu überzeichnen. Meistens bleibt es aber ein Zubrot, wenn man keine Kontakte hat oder nebenher Bücher illustriert. Viele Studenten, die von der Kunsthochschule kommen, erwarten zu viel.

 

Ritze:
Kann man sich nicht auch mal an denen rächen, die sonst schlecht über einen schreiben?

 

Funke:
Nein, auf Medienschelte bin ich nicht aus. Auch wenn etliche Boulevardmagazine immer darauf warten, wann sie die Moralkeule auspacken können.

 

Ritze:
Wann zum Beispiel?

 

Funke:
Als ich am Dschungelcamp teilgenommen habe, habe ich den Verantwortlichen zuvor gesagt, dass ich nichts aus der Vergangenheit erzählen werde. Für RTL ging das klar. Die Klatschpresse hat darauf gelauert, dass ich irgendwas ausplaudere, was sie abstrafen könnten.

 

Ritze:
Es ist ja auch verwerflich: Einer, der etwas höchst Kriminelles tut, erhält plötzlich so viel Aufmerksamkeit und ist prominent! Tzzz.

 

Funke:

Der Unterschied ist, dass sonst Prominente plötzlich kriminell werden, und nicht anders herum. Das ist der Grund für den Aufreger. Ich kann das ja auch gut nachvollziehen, es ist eine ungewöhnliche Situation, dass jemand mit einer erheblichen Straftat an eine gewisse Popularität gelangt …

 

Ritze:

Aber die Leute haben Sie, als Dagobert, schon ein wenig gemocht. Außer die damaligen Ermittler vielleicht.

 

Funke:
Ach, auch die waren bei der Festnahme, als ich bei ihnen im Auto saß, plötzlich sehr zuvorkommend.

 

Ritze:
Noch eine Frage zum Schluss: Sie haben das Thüringer Abendmahl gezeichnet, sind oft hier. Sie mögen Thüringen offenbar …
 
Funke:
Ich bin ein Menschenfreund.